Im Land der Affen und Varane
Dienstag, den 16. März 2010 um 04:15 Uhr

Die zweite gebuchte Tour stand an. Es sollte wieder auf´s Meer gehen, nur dieses Mal auch in die heiss ersehnten Mangrovenwälder rund um Krabi. Es bot sich also an eine der unzähligen Kajaktouren zu buchen. Ein ganzer Tag erschien uns aufgrund des vorangegangen Sonnenbrandes zu viel des Guten und so buchten wir den halben Tag für 500 Bath (ca. 11€).

 

Wie üblich wurden wir vor unserem Hostel abgeholt und wir fuhren in einer ganzen Gruppe zum Treffpunkt der Tour. Angekommen, nach anfänglichem hin und her, bekamen wir schon den ersten Dämpfer. Am Treffpunkt tummelten sich um die 50 Personen und die meisten waren laut, grell gekleidet und offensichtlich die "Vorzeige Proll Touristen". Man hätte am liebsten um sich geschlagen aber wer die Geduld hat, der hat den Erfolg und es stellte sich raus das wir die einzigen zwei Sparfüchse mit der Halbtagestour waren. Im Klartext hieß das, wir fahren ganz alleine, nur mit einem Guide und zwei Kajaks, raus in die Wildnis. Geile Sache!

 

Und das wichtigste in Sachen Lehrstunde der Sprichwörter war dann auch, ohne Schweiß kein Preis, denn wir mussten quer über eine Meerenge bis wir den Schatten und die ersten Berge erreicht hatten. Hoch motiviert durch den guten Ausgang der Tourenzusammensetzung, paddelten wir wie die Berserker über den Ozean. Zudem hatten wir auch aus der letzten "Hautkrebs Aktion" gelernt und bedeckten unsere Gliedmaßen so gut es ging mit alten T-Shirts.

Dann waren wir da, am Ziel unserer lang gehegten Träume. Die Berge schossen mehrere hundert Meter empor und sie waren überwuchert mit den schönsten Pflanzen der Tropen. Unglaublich Höhlenformationen, kombiniert mit farbenprächtig umherfliegenden Vögeln, die sich selbstmörderisch in die Tiefe stürzten. Das Dschungelbuch ließ grüßen an diesem Tag in Thailand und es sollte noch um einiges aufregender werden.

Die Fahrt ging zunächst durch die Felsen und Schluchten in der zuvor erspähten Bucht. Erst ein, dann zwei und schließlich immer mehr Bäume der Mangroven begrüßten uns in ihren irren Formationen. Diese Bäume wachsen nicht irgendwie in den Himmel, nein, sie sehen aus, als stünden sie Kopf und ihre Wurzeln würden kleine Käfige für die Geister des Waldes bilden. Aber mit unseren Worten, es sah mal wieder affengeil aus und wir konnten uns nicht satt sehen, an diesem Schauspiel der Natur.
Ein zunächst sanfter und dann immer kräftiger werdender Sog, zog uns in die Schluchten und die Bergkessel der scharfkantigen Felsen. Man wurde quasi in einen Traum aus Felsen, Pflanzen und türkisfarbenen Wasser gesogen. Das Kajak glitt dahin und die Vögel um uns herum sangen in den schönsten Tönen.

"Platsch", machte es und ein ca. 50cm langer Varan sprang von seinem, bis dahin sicher geglaubten Sonnenfelsen, in das vermeintlich rettende Nass. Den könnten wir schön braten, war unser Gedanke aber wir waren hier nicht auf einem Überlebenstraining, sondern zum genießen. So genossen wir seine eleganten Schwimmbewegungen und das grazile Verhalten im Wasser. Ein echtes Multitalent.

Die Mangroven wurden immer dichter und man musste ab jetzt sehr darauf achten, wann und wie man mit dem Paddel agiert, sonst fand jeder Schlag ein jähes Ende in den dichten Wipfeln der Bäume.
Höhlenformationen gezeichnet, wie aus der Hand eines unter starken Drogen stehenden Künstlers und die darin lebenden Schwalben, waren eine Augenweide. Wir fuhren in die besagten Höhlen soweit es ging und entdeckten eine ganze Gruppe von Varanen. Dieses Mal auch ein Prachtexemplar von fast 1,5 Metern und einer Hautzeichnung die in der Sonne glänzte. Da hörten wir die ersten Schreie der kleinen Piraten.

Erst ein eher verhaltenes Krächzen und dann immer lauter werdende Rufe nach den großen weißen Affen in den Kajaks. Die kleinen Biester hatten uns schon die ganze Zeit über ihre Felswege und Baumstraßen verfolgt, ohne das wir auch nur den Hauch mitbekommen hätten. Affen! Kleine, große und Babys, die aber nicht weniger dreist auf uns runter guckten. Es war ein Taktieren nach Beute und schon bald sollten wir eine Bekanntschaft der besonderen Art mit ihnen machen.

Die Wege durch die Wälder wurden immer enger und das Manövrieren immer anspruchsvoller. Ähnlich den richtigen Piraten hatten diese kleinen Burschen eine Geduld bis der richtige Zeitpunkt gekommen war. Man musste die Hände zur Hilfe nehmen um unbeschadet durch das Dickicht zu gelangen und genau in diesem Moment war ihre Attacke geplant. Das wirklich komische daran war, dass die Guides nicht im Geringsten von ihnen attackiert wurden und sie es nur auf die Bleichgesichter abgesehen hatten.

Sie enterten unser Kajak in kleinen Gruppen und den ersten Angriff konnten wir gezielt mit dem Paddel abwehren. Dann kam der zweite Zug und sie schickten einen putzig drein schauenden Artgenossen vor, den wir gewähren ließen. Fehler.
Dieser kleine Kuscheltier Affe hatte Zähne die dir das Fürchten lehren. Er biss in windeseile ein Loch in den Boden der Trinkwasserflaschen und fing an zu saufen, wie ein Schalke Fan ;). Zeit für fünf große Affenschlücke brauchten wir, bis unser Abwehrgedanke wieder gefasst und das Paddel eingesetzt werden konnte. Er ließ sich aber nicht beirren und riss den Boden noch weiter auf. Mit den Händen eine Plastikflasche zu verteidigen erschien dann doch nicht lohnenswert und es gab mit dem Paddel einen dezenten Schubser. Keine Reaktion. Vielmehr guckte er uns an nach dem Motto "Hast du sie noch alle? Ich trinke hier, also bitte hau ab!". Das war dann genug des Guten und er wurde wie das frische Laib Brot beim Bäcker in das Wasser befördert. Er klammerte und machte Anstalten das Paddel Richtung Hand wieder hochzuklettern. Das brachte uns dann dazu ihn mal ordentlich zu versenken, bis er los ließ und sich auf das nächste Boot stürzte. Wenn das keine Kämpfernatur war, dann wissen wir es nicht.

Hellwach von diesem Erlebnis fuhren wir weiter und das Wasser wurde immer dunkler. Hier bewegte sich nichts mehr an Strömung und bald paddelten wir durch reines Brackwasser.
Da lag sie vor uns. Eine Grotte, die wie ein großes Auge mitten in zwischen den Bergen auftauchte. Es war ein Loch das mit tiefblauem Wasser gefüllt war und über 300 Meter tief sein sollte. Unser Guide kramte in seiner Wunderkiste und passend zu diesem einmaligen Panorama gab es frisch geschnittene Ananas. Das Leben ist wunderbar, dachten nicht nur wir, sondern auch der kleine Pirat, der uns bis dahin gefolgt war, denn er bekamm die Abschnitte der Ananas die wir nicht benötigten. Ein gezielter Kopfsprung und er verzog sich mit seiner Beute auf den nächsten Felsvorsprung.

Um das Boot waren hunderte kleiner Seehechte unterwegs und sie waren auch scharf auf Ananas. Alle bekamen ihren Teil ab und so war es eine wirklich glückliche Situation, für Tier und Mensch.
Wir verliessen den Wald und durch unser gutes Durchschnittstempo und die kleine Gruppe in der wir reisten, war es uns möglich die wohl kleinste und schönste Bucht anzulaufen. Es in Worte zu packen wäre eine Frechheit und ihr schaut es euch am besten im Video an. Wunderschön ist maßlos untertrieben! Das Wasser, die Felsen, einfach alles war perfekt.

Perfekt war auch, dass unser Guide den Tausenfüßler vor uns entdeckt hatte und ihn mit einem Stock aufscheuchte, als wir gerade dabei waren ein paar Muscheln zu suchen. Das hätte die Schmerzen unsere Lebens gegeben, wenn wir mit unseren Plattfüßen auf ihn gelatscht wären. :-)

Es war eine Tour die wir nie vergessen werden und der halbe Tag wird uns als ganze Woche in Erinnerung bleiben, soviel haben wir gesehen und erlebt. Wahnsinn!
Das Warten auf den Bus fiel dann auch aus, da wir wie gesagt nur den halben Tag gebucht hatten und ganz exklusiv und alleine nach Hause chauffiert wurden. Genialer Tag.

Hier die Bilder vom Ausflug

 

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