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Update: Die Bilder der ersten Gallerien sind jetzt eingefuegt. s.u.
Wer nach Mumbai kommt, den erwartet das Leben. In aller Frische machten wir uns gegen 10 uhr morgens auf in Richtung Colaba. Das ist das Viertel mit den meisten "Attraktionen" und Touristen. Zuvor machten wir einen kurzen Abstecher zu Sabrina ins Büro, um kurz Hallo zu sagen und uns die letzten Tipps für den Tag zu holen.
Leider vergassen wir zum zweiten Mal den aus Deutschland mitgebrachten Schinken, der noch immer gut aufgehoben bei K.C. im Kühlschrank lag. ;) Wir frühstückten im Cafe vom Vortag und bestellten uns ein tellergroßes "Farmer-Omlett" mit Eiern, Oliven, Zwiebeln, ordentlich Knobloch, und Schinken - das alles serviert mit klassischem Vollkorn- und Weizentoast. Mit dabei war noch ein frisch gepresster Wassermelonensaft. Das Ganze mit zusätzlichen Wasserflaschen, für umgerechnet nur 2,20 €! Gut gestärkt ging es mit dem Taxi über eine Stunde durch den ewigen Smog nach Colaba. Nicht allein der Straßensmog benebelte uns wärend der wirklich heissen Taxifahrt durch den Berufsverkehr, sondern ein drei fingerbreit großes Loch neben Amaturenbrett. Es versorgte uns zusätzlich mit neuen Abgasen direkt aus dem Motorraum. Trotzdem genossen wir die Fahrt über die Sea Link Bridge, mit einem Super Ausblick auf den indischen Ozean und die Skyline.
Angekommen in Colaba, verging keine Minute, als uns von hinten ein freundlicher, dicker Inder anquatschte. Ob wir Schauspieler wären und nicht Lust hätten in einem Anno 1929 Bollywoodstreifen 2 englische Offiziere zu spielen. Wir lehnten dankend ab, da so ein Drehtag im Schniit um die 12 Stunden dauert und wir unsere Zeit in dieser Stadt lieber anders gestalten wollten. Es wäre mit Sicherheit ein großer Spaß geworden. :)
Ein paar Meter weiter trafen wir unseren Mann des Tages: Ganesh (benannt nach dem indischen Elefantengott). Ein 16 Jahre alter Straßenjunge, welcher uns in gebrochenem Englisch die neueste Blumenkollektion in Form von kleinen weissen Armbändchen verkaufen wollte. Es stellte sich aber schnell heraus, das Ganesh mehr drauf hatte, als kleine Bändchen zu verkaufen. Er zeigte uns sämtliche Hotspots von Colaba. Angefangen beim Gate of India, mit einem großen Vorplatz, der vor Gauklern und Lebenskünstlern strotzte. Da waren die üblichen Touri-Fotografen, die Armbänder und rote Punkte für ein langes Leben und riesige bunte Luftballons kaufen sollten. Überall bezirzten Männer ihre Cobras, prachtvoll geschmückte silberne Kutschen, so weit das Auge reicht. Dazu werden natürlich alle Varianten von Snacks angeboten. Angefangen von auf der Straße gerösteten Erdnüssen, bis hin zum selbstgemachten Wassereis - hmmmmm lecker.
Vorbei an der Promenade mit vielen Fischerbooten, ging es Richtung Markt. Auf dem Weg dorthin wurden wir schon wieder zur Attraktion. Diesmal für eine Gruppe mittelständiger, indischer Jugendlicher, die immer freundlich lachten und kicherten und unbedingt mit uns reden und Fotos machen wollten. Ein großer Spaß für beide Seiten...Wir mussten auch mehrmals versichern, das wir keinem, der hier berühmten Cricketteams, angehören.
Die ganze Stadt lässt sich einfach nicht in Worte fassen. Wir hatten einen tollen Tag zusammen mit Ganesh, der einige Geheimnisse und Einsichten seiner Welt eindrucksvoll preisgab. Das ganze Viertel ist geprägt von riesigen Bauten aus der englishen Kolonialzeit. Der indische Zahn der Zeit nagt unentwegt an ihnen und hinterlässt charmante Spuren des Verfalls. Es ist für unsere Augen ein e inziger Mix aus hunterte Jahre alter Seefahrerstadt und bedingt durch unzählige Baustellen, verrotenden Hütten, sowie den zerfallenen Häusern ein Anblick, der an ein Endzeit-Szenario erinnert.
Am frühen Abend luden wir Ganesh noch zum Essen ein. Er zeigte uns ein kleines Restaurant, indem wir das gleiche bestellten wie unser Stadtführer. Ein Reisgericht mit würziger, scharfer Soße, Zitrone, verschiedenen, geschnitten und ganz kleinen, in Essig eingelegten Zwiebeln. Eine Geschmacksexplosion für unsere Gaumen. :) Zum Nachtisch kam ein kleines Tablett mit drei verschiedenen Schalen. Anis, feiner Candiszucker und ein buntes Gemisch aus uns unbekannten Gewürzen. Man nimmt sich einen halben Teelöffel von jeder Zutat und kippt ihn sich in die offene Hand und ab in den Mund. Es schmeckt wie Anisbonbons plus Unbekannt mal 10. ;) Zu sagen bleibt noch, das die Hälfte der Belegschaft um unseren Tisch stand, und uns beim Essen zusah. Wir wissen nicht, ob es daran lag, dass wir einen Straßenjungen mitgebracht hatten, oder an unserem westlichen Aussehen. Aber stets waren alle freundlich und respektvoll.
Danach brachte uns Ganesh zur Victoria Station, damit wir uns ein Zugticket nach Goa kaufen konnten. Dort wurden wir sofort von einem "Agenten" abgefangen. Er erklärte uns freundlich die Zugverbindungen, wollte aber zugleich durch ein paar hektische Handbewegungen und wahrscheinlich eher ein paar unfreundlichen Worten, unseren Freund Ganesh verjagen. Nachdem wir klarstellten, dass der Junge zu uns gehört, gingen wir zusammen auf seine Empfehlung hin, zu einem der unzähligen Reisebroker. Nachdem wir dort informiert wurden, dass unser gewünschter Zug leider aussverkauft war, ;) buchten wir 2 Bustickets für Donnerstag 18:00 Uhr, die selbstverständlich 200 Rupis teurer sind als der Zug. Aber letztendlich sind 900 RPs (ca. 14€) ein annehmbarer Preis für 12 Stunden Fahrt mit Schlafplätzen.
Anschliessend ging es zurück zum Bahnhof, der augenscheinlich vor Menschen zu platzen drohte. Wie von K.C. empfohlen, wollten wir unbedingt mit dem Zug zurückfahren. Einerseits, um nicht wieder 1,5 Stunden im Berufsverkehr zu hängen, andererseits, um das Abenteuer Zugfahren in Mumbai zu erleben. Mittlerweile war Rushhour und wir fühlten uns wie in einem Ameisenbau. Wir buchten Tickets 2. Klasse und stiegen einfach ein. Wie sich in Sekundenschnelle, an Hand der kichernden und fast schreienden Frauen herausstellte, waren wir im Lady-Abteil gelandet. Wir sprintenten drei Wagons weiter nach vorne und sprangen in letzter Sekunde auf den bereits anrollenden Zug auf. Beiden Seiten der Wagons sind offen. So hat man eine einmalige Aussicht auf das Stadtleben rund um die Gleise.
Im Zug ergaben sich nach den vielen freundlichen und einigen ernsten Blicken, sehr nette Gespräche mit Einheimischen. Die heimkehrenden Business Manager, eine Gruppe drei Jugendlicher mit ihren Drachen, und eigentlich alle waren sie interessiert und hatten deutlichen Spass daran, uns allerlei zu fragen oder einfach nur uns die Hände zu schütteln. Nach 5 Stationen wurden wir von einem unserer Gesprächspartner (Tarun - siehe Bilder) gefragt, warum wir denn aufs Land rausfahren. Wie sich herausstellte, waren wir in den falschen Zug eingestiegen. Am Ende dieser Stecke hätte es weder Taxi, Bus oder sonstiges gegeben, mit dem wir wieder in die Stadt hätten kommen können. Wir sprangen an der nächsten Station gemeinsam mit Tarun, der auch den Zug wechseln musste, in den diesmal korrekten Zug. Jedoch klärte sich nach 2 Minuten auf, dass wir in der ersten Klasse standen, jedoch nur Tickets für die so genannte "Monkeyclass" besassen. Also nächste Station wieder in Windeseile rausspringen, vorbei an den Frauen-Wagons in die 2. Klasse.  Von der Endstation bis zu unserem Host K.C. in den Green Towers, ging es in einer rasanten Rikschahfahrt duch die Nacht. Zum Abschluß des Tages gingen wir mit K.C. noch zu seinem Koch des Vertrauens. Wir orderten das berühmte "Chicken Masala". Zusammen mit von Knoblauch bedecktem, soften und dünnem Fladenbrot ist das ein köstliches Mahl.
Ein wirklich toller zweiter Tag in Bombay - just mindblowing :-)
P.S. Eigentlich hatten wir nicht geplant, unsere Berichte in dieser Länge zu schreiben aber bei dieser Fülle von Eindrücken, wollen wir jede Minute nutzen, um diese bestmöglich zu vermitteln. Es kommen aber mit Sicherheit noch kürzere Berichte. ;)
Hier auch schon die ersten Bilder von zwei ersten Gallerien, viele weitere werden folgen. Heute: Lebenskünstler und Hunde.
Vielen Dank an unseren Partner: www.mufa.de
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